Mittwoch, 24. Februar 2016

DEluding


Ätsch ... ich war zuerst hier!
Als ich in einer Bar in Broome sitze und meinen „tropical dream“ -Juice süffle, wird mir deutlich in welcher Scheinwelt ich mich hier bewege.
Es sind Erdbeeren drin … Hä? … Erdbeeren in einem „tropical dream“.
Der ganze Drink ist aufgeschäumt, sein tatsächliches Volumen sicher verdoppelt.
Die Hälfte vom Glas ist mit Eiswürfeln gefüllt, die langsam vor sich hin schmelzen.

Ein Bild, für das was um mich herum passiert.

Neben der Bar ist ein schmale Weg auf dem immer wieder offenbar arme Einwohner von Broome, meist indigener Abstammung vorbeilaufen.  Das ist die andere Seite der Realität.

Im Hotel geht die Scheinwelt weiter, alles ist offenbar aus der Grünen Wiese im Thai-Style aus dem Boden gestampft. Nichts ist hier echt … der Anschein einer Welt, die so nirgendwo existiert wird vorgegaukelt und verkauft.

Sicher die Apartments sind grosszügig und gut eingerichtet und vermitteln das Ambiente von Luxus. 
Aber selbst die Illusion ist sich selber noch fadenscheinig.
Wenn man die Räume mal unter dem Gesichtspunkt der Effizienz anschaut und nicht gleich auf den augenfällig gemachten Anschein von Grosszügigkeit reinfällt, dann bemerkt man, das der schöne, weite Innenraum, mit dem freien Blick vom Bett über den Esstisch bis auf die Badewanne … irgendwie auch irritierend ist.
Das Klo ist geschickt hinter einer Ecke versteckt … soweit geht die Freiheit denn eben doch nicht.

… eben, wenn man genau hinguckt bemerkt man, wie klein die Räume sind, wenn hier Wände und Türen drin wären. 
Die der Ferienungezwungenheit des Reisenden zu pass kommende Weite des Innenraums wird einfach für die Raumersparnis genutzt, den Umbauter Raum in Kubikmeter x Dollar = Baukosten und Unterhaltskosten.

Thats the way it works!

Die Hitze wird mit Klimaanlagen bekämpft, die Fliegen mit Fliegengittern … obwohl DAS die Realität wäre hier … so aber geht man vom klimatisierten Zimmer ins klimatisierte Auto, das im Schatten unter einem Baum stand, der aus Asien importiert wurde, weil seine Blätter so gross sind und dicht stehen und sein Blüten so tropisch.

Der Rand dieser Illusion ist kam erfahrbar … man muss ihn bewusst suchen.

Sandfire Roadhouse … das ist eine winzige Oase, die sich gegen den Ansturm der australischen Realität mit Bordmitteln und einfachsten Gerätschaften wehren muss … dort wird es nie ganz gelingen, das richtige Australien … mit seiner Hitze, seinen Fliegen und Ameisen und Spinnen, dem Sand, den Termiten, der Armut (die nicht immer eine Armut war, sondern ein Reichtum … in einer anderen Zeit) und die ruhige, tiefen  Schönheit der Landschaft … draussen zuhalten.

Hier, in der Bar, dröhnt „Smooth operator … from L.A. to Chicago“ aus dem Lautsprecher.
Ja, ich habs gern „smooth“ und kühl und komfortabel und sehe nicht gern die Armut und den Tot.
Was ich aber noch viel weniger gern hab, ist das flaue Gefühl im Bauch, in Disney World zu leben. 
Australien findest Du nicht in „China Town“  in Broome, es ist irgendwo da draussen.

In der Nacht hielt mich ein Opossum wach, das in meinem kleine Garten rumtobte und über das Dach und, am Abend, an den Fensterscheiben meiner beleuchteten Räume nach Insekten jagte.
Da ich mit Tieren immer rede (Schlangen und Spinen usw. auch? … ähm ?… nö!) hab ich es angesprochen und gefragt obs auch leiser geht.
Es hat mich einen Moment angeschaut … sehr intensiv … und da meinte ich zu hören wie es mit einer, für ein so kleines Tier, erstaunlich sonoren, tiefen Stimme sagte: 
„verpiss Dich Alter … ich war schon lange vor Dir hier!“

Tja, steck Deinen Kopf in das Kaninchenloch … die Realität ist manchmal dort drin.

… oder wie Foftain immer sagt: 

„Das Glück findest Du in jeder Pfütze!“

Kommentare:

  1. Interessant, was Du da schreibst; zum ersten Mal auf Deiner Reise, einen sehr ktitischen Blick auf Deine Umgebung. Aber was sollen sie machen, wenn sie (die Australier) sich in einer weitgehenden Wüstenlandschaft angesiedelt haben. Weiter so, freue mich auf Deine Berichte.

    AntwortenLöschen
  2. ähm ... das ist nicht ganz richtig, meinem vorherigen Post meine ich doch eine angemessene Menge an Kritik über die Einhäuschen-Politik untergerührt zu haben.
    Ich gebe zu, dass ich einen Teil, der sich eben mit der Zersiedelung der Landschaft befasste rausgenommen hab ... er hat einfach den Rahmen gesprengt.
    Ja, nix soll`n sie machen die Australier! Aber ich muss was machen, z.B. mich hin und wieder -wenigstens- der realen Welt stellen. Nix können wir da alle machen in "D" und "CH" ist es ja keinen Furz besser ... und da ist die Welt noch 1000x kleiner.
    Also halte ich meine Augen und Ohren und so gut es geht das Herz offen ... das kann "man" machen.
    Danke übrigens für Deinen Kommentar!!

    AntwortenLöschen

Du kannst hier einen Kommentar zum obigen Artikel hinterlassen.
You may leave a comment about the article above, here.